Beitrags-Archiv für die Kategorie 'Rechtschreibung'

Rückwärts gehen oder rückwärtsgehen?

Dienstag, 29. November 2011 21:19

Getrennt oder zusammen? Das Hin und Her von Reform und Rückbesinnung hinterlässt Verwirrung.  Vor der Reform der Reform 2006 ging knapp ein Jahrzehnt alles mit -wärts konsequent getrennt.  Heute heisst es (wieder):

Rückwärtsgehen, rückwärtslaufen, rückwärtsfallen, rückwärtsfahren und… rückwärts einparken!

Warum bloss? Rückwärts trägt in den ersten vier Fällen die Hauptbetonung. Das ist ein Indiz dafür, dass es sich um einen Verbzusatz handelt, und den schreibt man mit dem Verb zusammen. Bei rückwärts einparken liegt die Betonung nicht mehr auf rück: hier ist rückwärts Adverb und bleibt vom Verb getrennt.

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Bei Weitem nicht zwingend

Mittwoch, 9. Februar 2011 20:12

Ist die grässliche Grossschreibung in “bei Weitem” zwingend?
Nein, die bei weitem schönere Kleinschreibung ist auch korrekt.

Weitere Fügungen aus Präposition und dekliniertem Adjektiv (ohne Artikel), wo Grossschreibung erlaubt ist, Schreiber mit gutem Geschmack jedoch Kleinschreibung bevorzugen:

- vor kurzem
- seit langem
- ohne weiteres
- bis auf weiteres
- unter anderem

Dies gilt nicht bei Fügungen mit bestimmten Artikel – diese muss man grossschreiben:

- des Weiteren
- im Übrigen (im = in dem)

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So viel oder soviel?

Sonntag, 6. Februar 2011 23:07

Getrennt oder zusammen? Diese Frage stellt sich oft bei so viel oder soviel, so weit und soweit sowie bei so oft und sooft. (Ein wunderbarer Zungenbrechersatz, nicht?)

Zusammen schreibt man soviel, soweit, sooft, sowenig etc. als Konjunktion. Diese erkennt man daran, dass die Betonung auf der letzten Silbe liegt.

Beispiel: soviel ich weiss, soweit mir bekannt ist.

Ebenso die etwas selteneren Konjunktionen: Sowenig er von sich gibt, man durchschaut ihn trotzdem. Sooft ich sie auch darauf anspreche, sie schweigt wie ein Grab.

Getrennt schreibt man so in Verbindung mit Adjektiv, Adverb oder Pronomen als Zahladverb.

Beispiel: so viel Regen gab’s noch nie; ich habe so wenig Geld; so oft Sie wollen.

Aber auch: so viel für heute; so weit, so gut.

Ebenso verhält es sich mit sowie und so wie.

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Sogenannt oder so genannt?

Sonntag, 23. Januar 2011 21:25

Ganz einfach: beides ist richtig.

Die Abkürzug bleibt aber einzig und allein: sog.

dr empfieht: sogenannt, weil die Betonung auf so die Zusammenschreibung nahelegt, wie auch die Tatsache, dass der Begriff in der Regel ohne Wortpause ausgesprochen wird.

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Rechtschreibung

Montag, 17. Januar 2011 21:04

Es ist eine weit verbreitete (oder weitverbreitete*) Illusion, dass Berufsschreiber die richtige Schreibweise in jedem Fall auswendig wissen oder wissen müssten. Vielleicht hatte man vor der Reform und der Reform der Reform die Chance, in der Ortografie (und -graphie**) zu 99% sattelfest zu sein. Tempi passati! So habe ich begonnen, häufige Fragen zur Rechtschreibung in mein(en) Blog*** einzutragen. 

Allein in diesem kurzen Text sind – ganz unbeabsichtigt, ehrlich! - vier potentielle (potenzielle****) Zweifelsfälle aufgetreten. Die Antworten sind symptomatisch für die heutige deutsche Rechtschreibung:

* weit verbreitet oder weitverbreitet?
Beides ist erlaubt. Wieso? Fügungen aus weit und adjektivisch gebrauchtem Partizip können als Wortgruppe oder als Zusammensetzung aufgefasst werden. Daher hat mal die Wahl.

** -grafie oder -graphie? Darüber mögen andere Gemüter sich erhitzen. Richtig ist beides. Mir ist das f lieber, doch meine Emotionen fliegen tief.

*** Der Blog oder das? Als Schweizer ist ein Blog für mich männlich. Deutsche und Österreicher, die sich eher an das Blog gewöhnt haben, mögen entschuldigen. (Zugegeben, dies ist eigentlich keine Frage der Rechtschreibung, ich behandle hier aber auch Grammatik und Stil.)

**** potentiell oder potenziell? Beides ist erlaubt.

„Aber was ist besser?“, fragen nun viele verunsicherte Deutschsprachige, ob so viel Freiheit überfordert.  Tut mir leid, liebe Ordnungsliebende, aber mit dieser Freiheit müsst ihr leben lernen! Wenn es hilft: Tendenziell scheint es so, dass das t im Laufe der Jahrzehnte langsam vom z verdrängt wird. So wie wir auch ohne Reform von der Photographie zum Foto übergegangen sind.

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